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EU-Projekt ISOBEL


Integrated SOlutions for BEd Load Management – ISOBEL

Projektstart: 01.07.2016
Projektende: 31.12.2019
Projektträger: EU (Europäische Union)
Projektverantwortung vor Ort: PD Dr. Karl-Friedrich Wetzel Prof. Dr. Arne Friedmann
Beteiligte WissenschaftlerInnen / Kooperationen: Bayerische Elektrizitätswerke GmbH
Fischereiverband Schwaben e. V.

Zusammenfassung

Seit über 60 Jahren wird die Iller zwischen Altusried und Lautrach (Allgäu) von den Bayerischen Elektrizitätswerken GmbH (BEW) zur Erzeugung von elektrischer Energie durch Laufwasserkraftwerke genutzt. Dies hat zu einer starken biologischen und gewässerstrukturellen Verarmung geführt. Nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien (2000/60/EG) muss der Gewässerabschnitt daher ökologisch aufgewertet werden. Ziel ist das Erreichen des sog. guten ökologischen Potenzials in dem erheblich veränderten Wasserkörper.
Zu diesem Zweck wurde vom Freistaat Bayern und den BEW die Illerstrategie 2020 vereinbart. In den Bereichen Fischschutz und Geschiebemanagement ist das Institut für Geographie der Universität Augsburg an den Planungen der Maßnahmen beteiligt und führt ein umfassendes Wirkungsmonitoring der Umsetzungen durch.
Das Vorhaben wird als Projekt Integrated SOlutions for BEd Load Management – ISOBEL durch das EU-Programm LIFE gefördert.
Life Projekt ISOBEL

Beschreibung

Das Untersuchungsgebiet mit den fünf Staustufen liegt nördlich von Kempten. Die Staustufen Fluhmühle (Nr. 5) bis Lautrach (Nr. 8) wurden Ende der 1930er sowie 1961 (Altusried Nr. 4) innerhalb des Iller-Canyons errichtet, der durch die Eintiefung der Iller in die Endmoränen und die Obere Süßwassermolasse entstanden ist (Scholz 2015). Wegen der Staustufen ist dieser Gewässerabschnitt als erheblich veränderter Wasserkörper zu bezeichnen. Die Iller zwischen den Staustufen kann in eine Fließstrecke (direktes Unterwasser), eine Transportstrecke und einem Staubereich unterteilt werden. Die Maßnahmen der Illerstrategie 2020 zielen vor allem auf die Fließstrecken, in denen bislang keine Maßnahmen zur Verbesserung der Geschiebesituation durchgeführt wurden.


Zentrale Forschungsfragen

  • Wie lässt sich das gute ökologische Potenzial im Untersuchungsgebiet definieren?
  • Welche hydromorphologischen Maßnahmen führen zum guten ökologischen Potenzial nach EG-WRRL?
  • Auf welche Weise lässt sich die Funktion des Geschiebes als Lebensraum und Laichhabitat herstellen?
  • Wie kann ein nachhaltiger Umgang mit der Sediment- und Geschiebefracht aussehen?
  • Gewährleisten die Fischwanderhilfen eine Wanderung von diadromen bzw. potamodromen Fischarten?
  • Welche weitere Bedeutung haben die Fischwanderhilfen für die Gewässerökologie?
  • Ist es möglich Auenprozesse neu zu initiieren und wie entwickelt sich dort die Vegetation?
  • Wie können die ergriffenen Maßnahmen interdisziplinär bewertet und interpretiert werden?
  • Sind die Maßnahmen auf vergleichbare Gewässer übertragbar?

→ Ziel: Die Verbesserung des ökologischen Potenzials für Flora und Fauna


Gewässermorphologie

Der Weitertransport von Geschiebe ist durch den Bau der Staustufen zum Erliegen gekommen. Ohne eine regelmäßige Einbringung von Geschiebe resultierte dies in einer Eintiefung bis zur oberen Süßwassermolasse und der heutigen, stabilen Sohlverhältnisse. Ursprünglich bestand die Sohle der Iller aus einem Wechsel aus Gestein, Fels und Kies. Diese lockere Kiessohle als Laichhabitat für Fische und Fischnährtiere (Makrozoobenthos) im Interstitial steht aufgrund der mangelnden Kiesnachschubs nicht mehr zur Verfügung. Durch anthropogene Zugabe soll dieser Mangel der fehlenden Durchgängigkeit nun behoben und mithilfe von diversen wasserbaulichen Maßnahmen eine langfristige Verwendung sichergestellt werden. Wie effektiv diese Maßnahmen sind und wie diese hinsichtlich Ressourceneinsatz und ökologische Wirksamkeit zu bewerten sind, wird bis 2020 untersucht.

Bild 1: Natürlicher Kieseintrag durch den Zufluss Rohrach (Foto Tsigaridas 2016)

Bild 2: Mangels Geschiebeeintrag erfolgte anderorts eine Flussbetteintiefung bis zur oberen Süßwassermolasse, welche in der Gewässermitte als helles Gestein zu erkennen ist (Drohnenbild König 2016)


Ufer- und Auenvegetation

Die Ufer- und Auenvegetation ist in dem erheblich veränderten Hybridgewässer der Iller stark degradiert und im Bereich der Stauräume durch Verlandungsgesellschaften (v.a. Schilfröhricht) verdrängt worden. Dieser IST-Zustand wurde nach der pflanzensoziologischen Methode von Braun-Blanquet kartiert. Mittels Geschiebezugabe und Uferaufweitungen sollen im Unterwasser der Staustufen geeignete Standorte für eine ufer- und auetypische Vegetation geschaffen werden. Die Entwicklung dieser Flächen soll anhand von Dauerbeobachtungsflächen fortlaufend belegt werden.

Bild 3: Typische Verlandungsgesellschaften in Stauräumen (Stojakowits 2016)

Bild 4: Entwicklung der Vegetation auf neu geschaffenen Standorten (Stojakowits 2016)


Umgehungsgewässer

Die Durchgängigkeit für die aquatische Fauna ist durch den Bau der Staustufen nicht mehr möglich. Aus diesem Grund wurden Fischwanderhilfen installiert, welchen den Leitfischarten die Wanderung flussaufwärts ermöglichen sollen. Um deren Funktionalität zu prüfen, werden innovative Fischzählbecken mit hebbaren Böden verwendet. Durch Zählungen lässt sich somit prüfen, ob eine vollständige Wanderung über eine oder mehrere Staustufen erfolgen kann. Zusätzlich sind drei Fischwanderhilfen hinsichtlich Strömungsdiversität, Laichhabitate und Gewässerstruktur aufgewertet worden. Diese gehen über die reine Aufstiegshilfe hinaus und können als eigenständigen Lebensraum betrachtet werden. Wie effektiv die Umgehungsgewässer als Lebensraum angenommen werden, soll mithilfe regelmäßiger Untersuchungen (Fischmarkierungen, Elektro-befischung, etc.) bewertet werden.

Bild 5: Innovatives Fischzählbecken mit Hebevorrichtung (Tsigaridas 2016)

Bild 6: Umgehungsgewässer Kraftwerk Maria Steinbach (Tsigaridas 2016)

Bild 7: Fischmarkierung mithilfe einer schmerzfreien Impfpistole (Tsigaridas 2016)

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