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Physiogeographische Landschaftsbewertung


Physiogeographische Landschaftsbewertung „Laaser Leiten“ (Vinschgau)

Projektstart: 01.12.2008
Projektträger: Universität Augsburg
Projektverantwortung vor Ort: Dr. Sven Grashey-Jansen

Zusammenfassung

Projektstatus: Im Jahr 2010 abgeschlossene Projektbeteiligung im Rahmen einer Diplomarbeit.


Der Naturraum Vinschgau wurde bereits vor ca. 7000 Jahren vom Menschen in eine Kulturlandschaft verwandelt. Hierbei haben vor allem die nach Süden hin exponierten Hänge - die sogenannten Sonnenberge oder Vinschgauer Leiten - eine intensive Nutzung erfahren. Diese anthropogene Einflussnahme hatte entsprechende Auswirkungen auf die natürliche Vegetationsformation. Durch großräumige angelegte Rodungen der Wälder und einer sich daran anschließenden jahrhundertelangen Überweidung wurde die ursprüngliche Vegetation der Leitenhänge gestört und das Landschaftsbild stark verändert. Für die weitere Vegetationsentwicklung waren vor allem die klimatische Sonderstellung des Vinschgaues als ein inneralpines Trockental sowie die gleichzeitig intensive Sonnenbestrahlung der südlich exponierten Sonnenberghänge maßgebend. Im Zusammenwirken mit den anthropogenen Eingriffen konnte sich somit eine heute einzigartige Steppenvegetation ausbreiten.

Mit drei Aufforstungsprojekten wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts versucht die steppenartigen Leitenhänge mit Wäldern zu bepflanzen. Hauptziel dieser Projekte war vor allem eine Absicherung der Talsiedlungen gegen Hochwasser und Murenabgänge. Daneben spielten auch landschaftsästhetische Aspekte eine große Rolle.

Die großräumig angelegten Aufforstungsprogramme in den 1950er und 1960er Jahren haben durch die monokulturell orientierte Schwarzföhrenpflanzung (Pinus nigra) mit ihrem dichten Kronenschluss zu einer Verdrängung der für die Leiten typischen xerophilen Steppenvegetation geführt. Ferner bildeten sich teils mächtige Rohhumusschichten, welche durch ihre ungünstige Bodenchemie die natürliche Verjüngung und Sukzession blockieren. Ein von der EU mitfinanziertes Sonderprogramm „Aufforstung Vinschgau“ hatte im Zeitraum von 1986 bis 2006 die „Renaturierung“ der Schwarzföhrenforste zum Ziel, um die einstige Biodiversität wieder herzustellen.

Nordwestlich der Ortschaft Laas stehen sich im Leitenbereich unaufgeforstete versteppte Leitenhänge und wiederbewaldete Hangbereiche auf engstem Raum unmittelbar gegenüber. Hier wurde durch den Widerstand von Landwirten gegen das Aufforstungsprogramm ein inselartiges Areal zugunsten der Schafweide freigehalten.

Zielsetzung der abgeschlossenen Diplomarbeit war es, diesen Naturraum der „Laaser Leiten“ anhand physiogeographischer Kriterien zu bewerten und in einen Kontext mit seiner historisch bedingt speziellen (Kultur-)Landschaftgeschichte zu bringen. Des Weiteren sollte eine Quantifizierung der rezenten Landschafts- und Degradationsdynamik anhand von bodenkundlichen und vegetationskundlichen Untersuchungen erfolgen und durch eine Detailkartierung dokumentiert werden. Das methodische Spektrum umfasste dabei nicht nur die Aufnahme von morphologischen, morphodynamischen, bodenkundlichen und vegetationsgeographischen Kartiereinheiten, sondern auch die Auswertung von historisch überlieferten Bild- und Kartenmaterialien.



AG_LF_Laaser-Leiten-Projekt