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Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse an Prof. Dr. Hermann Jerz


Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse  an Prof. Dr. Hermann Jerz

Hermann Jerz, 1935 in Ulm geboren, war nach dem Geologie-Studium in München zunächst in der Abteilung Erdöl-Erdgas der Fa. Preußag AG tätig und promovierte dann im Jahre 1964 als Assistent an der TU München am Lehrstuhl für Allgemeine Geologie und Alpengeologie zum Dr. rer. nat.. Seine berufliche Heimat fand Hermann Jerz am Bayerischen Geologischen Landesamt, an dem er von 1964 bis 2000, zuletzt als Regierungsdirektor, tätig war.

Als Praxisgeologe trug er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit wesentlich zur geologischen und bodenkundlichen Erforschung und Aufnahme Bayerns bei. Insbesondere sind dabei die von ihm durchgeführten Kartierungen und die daraus entstandenen Kartenblätter der Geologischen und Bodenkundlichen Landesaufnahme nebst den zugehörigen Erläuterungsbänden zu nennen; sie stellen wesentliche Grundlagen etwa für Planungsmaßnahmen dar. Insbesondere das Quartär, also der für weite Teile Bayerns landschaftlich besonders prägende Abschnitt der Erdgeschichte, entwickelte sich bald zum Schwerpunkt seiner Interessen, welchem er sich weit über die beruflichen Erfordernisse hinaus mit Begeisterung widmete.

Die wissenschaftlichen Aktivitäten von Hermann Jerz waren deutlich weitergefasst als sein berufliches Betätigungsfeld sowie seine Expertise auf dem Feld der Eiszeitforschung und waren in den Bereichen Stratigraphie, Geomorphologie (insbesondere Massenschwerebewegungen) und Bodenkunde sowie vielen benachbarten Fächern breit gestreut. Unser Wissen über die Entwicklung des Untergrundes und der Böden Bayerns wie auch die Entstehung der bayerischen Landschaft, insbesondere des Alpenvorlandes, oder etwa die großen Bergsturzereignisse wie am Eibsee wäre ohne das Schaffen von Hermann Jerz ein gutes Stück ärmer und unvollständiger.

Sein Fachwissen und die Ergebnisse seiner Arbeiten fanden ihren Niederschlag in einer beeindruckenden Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch in internationalen Organen. Als „magnum opus“ ist das 1993 erschienene Werk Das Eiszeitalter in Bayern zu nennen, das bis heute als Standardwerk gilt.  

Nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiet, sondern auch durch seine Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien, seine Vortrags- und Exkursionstätigkeit, seine Kontakte mit in- und ausländischen Kollegen und Geologischen Diensten, seine Auslandsreisen und seine Teilnahme an und Mitorganisation von Kongressen hat Hermann Jerz den hervorragenden Ruf der bayerischen Eiszeitforschung wesentlich mitgeprägt. 1981-87 wurde er deshalb zum Sekretär der Deutschen Subkommission für Quartärstratigraphie, 1982-91 zum Sekretär der Subkommission für Europäische Quartärstratigraphie der Internationalen Quartärvereinigung (INQUA) gewählt. Im Jahr 2008 wurde ihm als äußerst seltene Ehrung die Albrecht-Penck-Ehrenmedaille der Deutschen Quartärvereinigung (DEUQUA) verliehen.

In den Jahren 1977 bis 2004 war Hermann Jerz darüber hinaus Lehrbeauftragter für das Fach Geologie am Lehrstuhl für Physische Geographie der Universität Augsburg, wobei ihm die Alleinvertretung des Faches Geologie als Nebenfach im Diplomstudiengang oblag - eine Aufgabe, die er mit großem Einsatz und hohem Selbstanspruch bis zum 69. Lebensjahr erfüllte, da erst dann ein Nachfolger gefunden werden konnte.

In Würdigung seiner wissenschaftlichen Verdienste wie auch seines Engagements im Rahmen des Lehrangebots des Physisch-Geographischen Lehrstuhls wurde ihm im Jahre 1993 von der Augsburger Universität der Titel eines Honorarprofessors verliehen.

Zum wissenschaftlichen Renommee von Hermann Jerz trugen nicht zuletzt auch die vielen Forschungsvorhaben mit weit über die bayerischen und deutschen Grenzen hinausreichenden thematischen Inhalten bei, an denen er entscheidenden Anteil hatte, darunter auch schwergewichtige im Bereich der Klima- und Gletscherforschung, der Magnetostratigraphie sowie der Landschaftsgeschichte.

Darüber hinaus waren und sind Hermann Jerz auch stets über die Geowissenschaften hinausgehende Themen, etwa zu Kultur oder Landesgeschichte, ein Anliegen, und er hat bis zum heutigen Tag auch auf diesen Gebieten mit großem Engagement Wertvolles geleistet, so etwa als langjähriger Vorstand der Gesellschaft für Bayerische Landeskunde.

Das Institut für Geographie der Universität Augsburg gratuliert Herrn Prof. Dr. Hermann Jerz zu dieser wohlverdienten Auszeichnung.

(Th. Schneider)