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Die religiösen Aktionsräume verändern sich

PD Dr. Markus Hilpert Dipl.-Geogr. Johannes Mahne-Bieder

Die religiösen Aktionsräume verändern sich. Konsequenzen für die räumliche Organisation von Kirche im Spannungsfeld zwischen Privatisierung und Regionalisierung.

Derzeit lassen sich zwei scheinbar gegenläufige Phänomene beobachten: Einerseits wird die Glaubensausübung immer individueller, verschwindet scheinbar im Privaten und konzentriert sich dabei geographisch auf den Standort des Subjektes (anstatt auf die Standorte kirchlicher Manifestationen). Andererseits diffundiert mit zunehmender Mobilität die persönliche Glaubenspraxis immer stärker in den Raum, da trotz Individualisierung der Wunsch nach gemeinschaftlicher Praxis bestehen bleibt. Die Atomisierung und die Dispersion religiöser Handlungen schwächen jedenfalls gemeinsam das traditionell bedeutsame, unmittelbare geographische Umfeld der Gläubigen (z.B. Ortskirchen) und führen fallweise bereits zu einer geringeren Sichtbarkeit institutioneller Religion im öffentlichen Raum. Diese Transition trifft die katholischen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen in einer Phase der räumlichen Neuorganisation. Mehr noch: Langfristige Konsequenzen neuer räumlicher Zuschnitte der Pfarreien wurden bislang kaum vor dem Hintergrund individualisierter religiöser Aktionsräumen diskutiert.
erschienen 2016 in: Münster Pastoraltheologische Informationen. Bd. 36, Nr. 2 (2016): Geht Kirche anders? - Zum Innovations- und Veränderungspotenzial der klassischen Sozialformen
ISBN: 0555-9308