Zahlreiche aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen und Fragestellungen weisen die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales auf. Deren zentrale Merkmale sind regelmäßig eine hohe Komplexität und ihre Kontroversität. Man denke an umstrittene städtische Planungsvorhaben und die Vielzahl der sie prägenden unterschiedlichen Akteure und Meinungen. Ebenso betrifft dies Fragen des Konsums, die häufig eine globale Dimension haben: Wer weiß wirklich genau, ob er in den Herkunftsländern ökologisch nachteilige Prozesse oder schlechte Arbeitsbedingungen fördert, wenn er ein günstiges T-Shirt oder Schokolade kauft? Diese wichtigen Themen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung und des Globalen Lernens sind Gegenstand eines modernen Geographieunterrichts. Doch wie kann dieser der genannten Komplexität und Kontroversität gerecht werden?
In diesem Projekt wird ein Weg des Nachhaltigkeitslernens erprobt, bei dem komplexe Entscheidungsprozesse in Anlehnung an die Planspielmethode digital simuliert werden. Schülerinnen und Schüler versetzen sich bei der simulierten Lösung eines bestehenden Problems in die Rollen unterschiedlicher Akteure, diskutieren und tauschen Argumente aus, treffen eine Gruppenentscheidung und erfahren über eine Computersimulation Folgen ihrer Entscheidung in einer möglichen Zukunft. Die Schüler reflektieren ihre Erfahrungen anschließend systematisch auf der Metaebene. Sie nehmen dabei die simulierten Entscheidungsprozesse unter die Lupe, indem sie sie zum einen im Hinblick auf jeweils relevante Nachhaltigkeitsdimensionen beziehen und zum anderen die hinter den einzelnen Sichtweisen stehenden Normen und Wertmaßstäbe transparent machen.
Ziel dieses interdisziplinären Forschungsprojekts ist es, theoriegeleitet digitale Simulations- (Lern-) Programme zu entwickeln, hinsichtlich ihrer didaktischen Wirkung empirisch zu erproben und zu optimieren. Die Vorteile der Arbeit mit digitalen Lernprogrammen könnten sich auf die direkten Rückmeldungen durch das Programm beziehen, da dies den Schülerinnen und Schülern unmittelbar mögliche Konsequenzen ihrer Entscheidungen vor Augen führen kann. Weiterhin ermöglicht die Arbeit am PC ein stets wiederholbares, systematisches Nachvollziehen aller Meinungsbildungsprozesse im Rahmen der Reflexionsphase, woraus ebenfalls positive Lerneffekte resultieren könnten. Im Kontext Bildung für eine nachhaltige Entwicklung soll erforscht werden, wie Gestaltungskompetenzen mit Hilfe der zu entwickelnden digitalen Lernprogramme gefördert werden können.
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Ulrike Ohl, Lehrstuhl Didaktik der Geographie, Uni Augsburg
Prof. Dr. Franziska Klügl, Gastprofessorin am Institut für Informatik, Uni Augsburg und Modeling and Simulation Research Center, Örebro University, Schweden
Dr. Christoph Klebel, Lehrstuhl Didaktik der Geographie, Uni Augsburg
„Geographielernen im Lerninselkonzept des Offenen Sachunterrichts“
Ein motivierend gestalteter Sachunterricht ermöglicht es Kindern, viel über die sie alltäglich umgebende Welt zu lernen. Dies gelingt besonders gut, wenn das Lernen ganzheitlich, mit Kopf, Herz und Hand, stattfindet und Kinder individuelle Zugänge und Lernwege realisieren können. Ein noch sehr neues Konzept ist hierbei das der Lerninseln, bei denen Unterricht nicht nur im Klassenraum stattfindet, sondern auch auf sog. Lerninseln. Dies sind Raumbereiche mit flexiblen Tischkonzepten, in denen die Schüler anhand vorgegebener Aufgaben und Materialien selbstständig arbeiten und sich mit ihren Mitschülern austauschen können. An der Augsburger Grundschule Westpark verfügen jeweils alle Klassen einer Stufe über eine gemeinsame Lerninsel, die direkt an die Klassenzimmer anschließt. Wie kann diese besonders gut genutzt werden und welche Effekte ergeben sich dabei im Hinblick auf die Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler? Diesen Fragen widmet sich das Projekt und bezieht sich dabei speziell auf geographisch bedeutsame Themen. Materialien und Konzepte für deren Erarbeitung im Sachunterricht der Grundschule werden theoretisch fundiert entwickelt und im Sinne der empirischen fachdidaktischen Unterrichtsforschung auf ihre Wirkungen hin überprüft und weiter verbessert. Ziel ist es, motivierende, lernfördernde Konzeptionen zu erzielen und damit das Lerninselkonzept weiter zu optimieren.
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Ulrike Ohl, Lehrstuhl Didaktik der Geographie, Uni Augsburg
Ilona Schley, stellvertretende Schulleiterin der Grundschule Westpark, Augsburg-Pfersee